Sonntag im Bett

Weyarn 2017



Moderne Strukturen, Materialien und Stilelemente halten langsam im traditionell geprägten bayerischen Oberland Einzug; Häuser, die den Begriff des „voralpenländischen Stils“ prägen, sich durch Satteldächer, kleine Fenster und holzverschalte Fassade auszeichnen, bieten ihren Bewohnern - Einheimischen wie Zugezogenen - mitunter nicht mehr ausreichend Platz, Licht und Komfort. Gut, wenn die Tradition es gebietet, zu erhalten, Bereitschaft für Neues aber Türen öffnen lässt, durch die sich andere Wege beschreiten lassen. ... [mehr]








Sonntag im Bett

 

Weyarn 2017

Sonntag im Bett

So erlebt in Weyarn: eine junge Familie erwirbt ein Haus aus den 1930er Jahren mit großzügigem Grund, das den genannten Kriterien entspricht. Wohlfühlen garantiert und doch fehlt etwas: lichtdurchfluteter Raum, Lebendigkeit, Flexibilität.
Der Wunsch nach einem den Bestand ergänzenden Gebäude wuchs zunehmend. Neugier, räumliche Vorstellungskraft und Sinn für ansprechendes Interieur brachten die Bauherren reichlich mit. Erfahrungen mit Vorgaben und Richtlinien der Region hatten Architekten ausreichend, Geduld und Ausdauer im Genehmigungsprozess inklusive. So fand man in der Planungsphase kreative Wege, sowohl den Wünschen der Bauernschaft als auch den Vorgaben der Gemeinde gerecht werden zu können.

Nach Bewilligung durch den Bauauschuß und das Landratsamt Miesbach, mit dem dem Projekt sehr gewogenen Kreisbaumeister Pawlovsky, konnten die Arbeiten beginnen, An- und Umbau erfolgte innerhalb eines guten Jahres. Der flache Anbau mit leicht geneigtem Dach schmiegt sich sanft an die Nordseite des Bestandshauses. Das neue Gebäudeteil aus Sichtbeton und Putz steht optisch in Kontrast zum Bestand, ohne sich jedoch aufzudrängen. Als wären beide seit langem eine fest verwobene Einhei, harmoniert der Farbton des lichtgrauen Sichtbetons mit der silbergrauen Patina der Holzverschalung. Solide, unaufgeregt und gerade durch das selbstverständlich wirkende Zusammenspiel von alt und neu wirkt das Gebäudeensemble spannungsreich.

Aus "I" ein "T"
Aus der Vogelperspektive wirkt der Gebäudekomplex nun wie ein "T", die Senkrechte -  der Altbau - fügt sich als Trennwand zwischen öffentlichem und privatem Raum. Büro, Showroom, Carport gliedern sich im Eingangsbereich, Wohnküche und Wellnessbereich liegen im wenig einsichtigen, geschützten hinteren Bereich des Gebäudes. Der leichten Hangneigung geschuldet, liegen die beiden Flügelteile in unterschiedlichen Höhenlagen. Gemessen am zwei Stufen über Gelände gelegenen Bestandsgebäude, ist der öffentliche, vordere Gebäudeteil um zwei, der private um fünf Stufen nach unten versetzt. Der Gang durch den Anbau weckt das Gefühl, als würde man sich in leicht terrassenförmiger Landschaft bewegen; die Raumhöhen profitieren davon enorm: gewinnen doch Wohnraum und Küche um einiges an Deckenhöhe dazu.
Ein Zugewinn an Lebensraum, der noch dadurch verstärkt wird, dass der Wohnbereich zweiseitig mit raumhohen Fenstern verglast ist. Die an der Stirnseite des Anbaus gelegenen Küchenzeile ist begrenzt durch eine 6m breite Fensterfront, die Grenzen zwischen Innen- und Außenraum scheinen fast zu verschwimmen.
Die Verlagerung zentraler Wohnbereiche in den Neubau bewirkte letztlich auch im Bestandshaus eine Neuausrichtung der Raumnutzung. Kleinere Umbauten und das Freilegen des Dachstuhls schafften großzügigen Raum für weitere Schlaf-, Wohn- und Rückzugsräume.


Eine wirkungsvolle Melange aus Tradition und Moderne, welche die Bauherren seit Bezug zu Beginn des Jahres 2017 in vollen Zügen genießen.









Projektdaten

Projektdarstellung:

Fotografie: Rainer Viertlböck