Die Geschichte des von den Besitzern liebevoll „Hüsle“ genannte Ferienobjekts geht zurück bis in die späten 1940er Jahre. Noch vor Beginn des systematischen Ausbaus Oberlechs als Ferien- und Hoteldorf, wurde das „Ferienheim“ errichtet und rasch zum Lieblingsplatz der Familie. Im Laufe der Jahre immer wieder erweitert, bot er letztlich mit 10 Schlafplätzen reichlich Platz zum Rückzug.
Dennoch war das betagte Haus in die Jahre gekommen: die Bausubstanz marode, Fundamente, Wände, Heizung beschädigt oder gänzlich unbrauchbar - eine Renovierung half hier nicht weiter.
VonMeierMohr wurde mit der Planung eines Ersatzbaus beauftragt und begann zunächst damit, sich mit dem umgebenden Gelände, Sichtachsen, vor allem aber mit dem ganz individuellen Gefühl auseinanderzusetzen, was den Zauber dieses Ortes für die Bewohner*innen ausmacht.
Sind es bestimmte Materialien, die Aufteilung der Räume oder einfach der Blick aus dem Fenster auf den gegenüberliegenden Gipfel, den man vom Lieblingsplatz aus schon als Kind immer wieder suchte? Diese kleinen Dinge, welche die Geschichte und die Liebenswürdigkeit dieses Hauses ausmachten, sollten unbedingt erhalten bleiben.
So blieb in den Gemeinschaftsräumen die Raumaufteilung wie zuvor. Der gemeinsame Esstisch hat seinen Platz an gleicher Stelle, gespielt wird wieder in der gegenüberliegend, heimeligen Ecke am „Jogltisch“ und auch das erste Schlafzimmer ist weiterhin im Erdgeschoss, nahe der Gemeinschaftsräume situiert. Blieb die Grundorganisation auch erhalten, haben Räume, Innenausbauten und Mobiliar an Funktionalität einiges gewonnen. Belüftung, natürliche Lichtquellen und neue Blickachsen, die das beeindruckende Panorama preisgeben, wurden geschaffen, Stauräume, die bei Bedarf nahezu unscheinbar hinter Schiebetüren verschwinden, optimal genutzt.
Lokale Unternehmen und Bauleitung setzten die Vorgaben um, aus dem Hüsle ein zeitgenössisches, natürliches Heim entstehen zu lassen. So wurden im Erdgeschoss Ziegelwände mit Lehmputz und das Obergeschoss in Holzbauweise gesetzt. Mit Ausnahme der brombeerfarben lackierten Skischränke wurden alle Einbauten (Weißtanne für Einbauten, Esche für die Böden) aus Holz ökologisch klebstofffrei gefertigt und geölt.
Heizung und Warmwasser werden über eine Luftwärmepumpe bereitsgestellt, der gemütliche Holzofen besitzt eine Wassertasche, welche zusätzlich Warmwasser in den Heizwasserkreislauf des Hauses einspeisen kann.
War bislang der Zugang und damit auch Belieferung des Hauses – im Winter über die Skipiste, im Sommer über einen Trampelpfad – mitunter beschwerlich, konnte nun durch die Anbindung an das Mitte der 1990er Jahren entstandene Oberlecher Tunnelsystem eine Sicherstellung der Ver- und Entsorgung geschaffen werden.
So bietet das Hüsle nun ein Maximum an Komfort. Ganzjährig als Ort der Zusammenkunft genutzt, wird er in noch vielen Generationen weiter Familiengeschichten prägen.
Projektbeteiligte
Architektur: vonMeierMohr Architekten BDA PartG mbB (Helgo von Meier, Luzia Sommer)
Bauleitung: Bmstr. Bernhard Moosbrugger GmbH
Fachplaner:
Lichtplanung: Markus Tuppen SEELOFT Lighting
Tragwerksplanung: ZTE Leitner Schröcken
Planung Haustechnik HLS: IB Rütz
Planung Elektro: EK-Plan
Projektdarstellung
Fotografie: Yorck Dertinger